Chronik
 

Index:

Einleitung
URKUNDLICHE ERWÄHNUNG "ERMANNS"
GEHEIMNISVOLLE GESCHICHTEN UND SAGEN
DER NACHBAR EIN "AUFRÜHRER"
"TÜRKENSTEUER"
DER EINFLUSS DER REFORMATION
In der Folge viele Besitzerwechsel
Die "Walcher"
EIN "EMIGRANTEN-KORPS" SCHÄDIGTE AUCH AUSSEER
Auch Erzherzog Johann war hier
In der "Neuzeit" ein beliebter Gasthof
"Peterstüberl" - Keimzelle der SPÖ ?
Karl Renner später über diese Zeit:
Aufwändige Renovierung erhielt den Prachtbau



Einleitung
zurück zum Seitenanfang


Zu einem der interessantesten und auch ältesten Gebäude in Bad Aussee, sehr wahrscheinlich sogar älter als der aus dem Ende des 14. Jhd. stammende "Kammerhof" (Salzamtsgebäude - später mehrmals an- und umgebaut), gehört das "Ermann-Tollinger-Haus". Wohl kaum ein Ausseer, geschweige denn jemand von den vielen Gästen, ahnt, daß es sich bei diesem Begriff um das heute noch bestehende Haus handelt, in dem sich der Gasthof "Zur Blauen Traube" befindet.

Allerdings, Einheimische wie Gäste wissen meist von einem verhältnismäßig kleinen Relikt aus noch viel älterer Zeit - dem Römerstein, der rechts im Eingang des heutigen Gasthofes eingemauert ist. In verschiedenen Geschichtsbüchern wird darauf hingewiesen, doch ist es nur einer von vielen Funden aus der Römerzeit, die uns erhalten geblieben sind. "Römersteine" waren schon etliche gefunden worden, wie auch Muchar und Ferdinand v. Andrian in ihren Veröffentlichungen hinweisen, die ebenso in Franz Hollwögers Beschreibungen des Ausseerlandes vorkommen. Allerdings, so ist bei Hollwöger nachzulesen, gibt es neben einem in Bad Mitterndorf gefundenen auch einen "umstrittenen" Römerstein. Das war aber nur bis 1873 der Fall, als Mommsen auf eine Verwechslung zwischen dem "Pötschen" (Pass zwischen Oberösterreich und der Steiermark) und dem eigentlichen Fundort "Petzen" (in Kärnten) hinwies. Es handelt sich dabei um den "Lamprinus-Stein", den dann Dr. Franz Stroh (Linz) in einer besonderen Veröffentlichung in der Salzkammergut Zeitung 1951 eben Kärnten zuordnet.

Inschrift des 2 Römersteins
Zu deutsch: "Den Schattengöttern, Success, Sohn des Sumus und Accepta, dessen Gemahlin, haben dies Denkmal bei Lebzeiten gesetzt, sich selber und ihrem Sohne Citatus, gestorben mit zwei Jahren.

 

Zurück zur "Blauen Traube", wo sich außer dem bereits erwähnten Römerstein im Vorhaus noch ein weiterer, an der Außenmauer befestigter, befunden hat. Speziell diesen hatte der Heimatforscher Muchar (lt. Hollwöger) als "Hauptzeuge für römische Salzgewinnung in Aussee" betrachtet. Dabei hat sich Muchar aber offenbar, wie heute klar ist, geirrt. Die zwei Figuren mit Gefäßen in den Händen sind keine Salzsieder, sondern Darstellungen, wie sie auf römischen Grabsteinen öfter vorkamen. Dieser Stein ist 1920 verkauft worden und befand sich im Privatmuseum von Sandor Wolf in Eisenstadt. Es war der damalige Wirt Adolf Hüttmaier, der den Stein an den Burgenländer Weinhändler veräußert hatte. 40 Jahre dauerte es dann, bis der Römerstein wieder nach Aussee zurückkam - allerdings erst nach einer interessanten Odyssee, die damit begann, daß der Stein durch die "Arisierung" des Wolf´schen Besitzes in das Landesmuseum in Eisenstadt wanderte. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich besonders das Heimatmuseum Ausseerland, die Brauerei Reininghaus (seinerzeit Besitzer der "Blauen Traube") sowie Pächter Viktor Stüger, den Stein zurückzuerhalten.

Letztendlich aber erst dem Bemühen von Landesamtspräsident Dr. Karl Angerer war es zu verdanken, daß sich die Landesregierung Burgenland einsichtig zeigte und einem Verkauf an das Land Steiermark zustimmte. Dieses nun beschloss, den Römerstein dem Ausseerland als "ständige Leihgabe" zu überlassen. Im Herbst 1959 war der fast 2 Tonnen (!) schwere Stein ins Heimatmuseum gekommen, im August 1960 fand er dann endlich seine Wiederausstellung im Gasthof "Blaue Traube".

Der Nach Aussee zurückgekehrte
Römerstein

 

Wie kurz erwähnt, handelt es sich um einen römischen Grabstein, der eben nicht Salzsieder, sondern ein Diener-Paar mit verschiedenen Gefäßen zeigt - leider nur als Fragment. Da jegliche Inschrift fehlt, ist eine Datierung des Steins unmöglich.

Urkundliche Erwähnung "Ermanns"
zurück zum Seitenanfang

Doch kommen wir zu dem alten, hochinteressanten Haus selbst. Es gilt als sicher, daß es sich um ein "Freihaus" gehandelt hat, das den Edelleuten Ermann aus Steyr "verliehen" worden war. Es werden nämlich Mert und Hans Ermann in einer Urkunde von 1454 erwähnt, von denen Kaiser Friedrich III. "Gülten und Güter zu Aussee" gekauft hat, um sie dem Kammerhof einzuverleiben. Auch in Stiftungen und Kaufbriefen aus den Jahren 1460 bis 1471 kommt der Name Ermann vor.

Interessant ist eine alte Aufzeichnung, die bei Hollwöger zu finden ist: "Von Mört und Hans Ermann, Söhnen des Ulrich und der Katharina Ermann, kaufte Friedrich III. Gülten und Güter in Puchen, Keygen (?), Goisermoos und Reitern um das zwölffache (Anm.: 55 Pfund Silberpfennige). Die Ermann waren Edelleute aus Steyr, die die "Blaue Traube" besaßen. Da sie kein Handwerk trieben, zahlten sie auch keine Steuer."

Wie nämlich auch Gräfin Johanna zu Eltz in einer Beschreibung jener Zeit festhält, hatte es in einer Verordnung des Landes Steyr geheißen: "Wo Prälaten, Grafen und Herren, Ritter oder Knechte um den Städten oder Märkten oder in dem Bergfrieden Häuser oder Gründe haben, die keinen Grundzins dienen und darauf keine gewöhnliche Steuer liegt, die sollen hierfür nicht besteuert werden."

Als der Kaiser um 1470 befahl, wegen des großen Holzverbrauches, alle "Padtstuben" (Anm.: Brechlstuben, um den Flachs zu dörren) im Markt abzuschaffen, durfte nur die Ermannische bestehen bleiben. Dieser Abschaffungsbefehl war von Friedrich III. auch wegen der Feuergefahr zur Durchführung an den Verweser Wolf Metschacher und Andreas Fuchsberger ergangen.

Was die Ermanns selbst anbelangt, so befindet sich bei der Pfarrkirche ein Grabstein: "Hans Ermann + 1484, vermählt mit Margarethe Praun." Der Stein trägt zwei Wappen (nach Hollwöger): - eine schräglinks gestellte Spitzhaue und den Pferdekopf der Praun. Jakob, der letzte dieser Linie der Ermann, war noch 1523 Teilnehmer an einer Bergbeschau und verstarb 1524 - "aber berühmt" - wie es in der Aufzeichnung heißt.

Nach dieser "Vorerkundung" kommen wir nun auf die eigentliche interessante Geschichte des Hauses selbst und dessen folgende Besitzer, wobei über die Besitzer mehr bekannt ist, als über den, sicherlich schon in damaliger Zeit, ungewöhnlichen und bedeutenden Bau.

Wie eben erwähnt, starb 1524 Jakob Ermann. In der Nachfolge des Besitzes scheint in den Aufzeichnungen Kunz Fraunhauser (Marktrichter um 1519) auf. Seine Witwe verkaufte das Haus 1530 an den Hallamtsgegenschreiber Jakob Tollinger (+ 1562), der mit Helene von Stainach verheiratet war. Von da an hieß der Besitz "Tollingerische Behausung". In einer anderen Aufzeichnung heißt es aber, Jakob Ermann habe, da keine anderen direkten Erben vorhanden waren, den Besitz seinem Vetter Jakob Tollinger als nächten Verwandten vermacht.

In den nächsten Zeilen will ich lediglich die aus alten Aufzeichnungen von Franz Hollwöger zitierten Beschreibungen des Baues wiedergeben:

"Es heißt, das Haus der Ermann unterschied sich äußerlich wenig von den anderen; es stand mehr abgesondert, aber es war zu verwundern, was man innen zu sehen bekam. Wie ein Ritter von Kopf bis zu den Füßen, so war es vom Boden bis zu höchst unter dem Dach allenthalben wehrhaft ausgestattet; mit so vielen Stidlen (?), Gangen, Schußlucken und durchaus mit Eisentüren und seitlichen Ausgängen versehen und zur Gegenwehr mit Armbrust und einer großen Anzahl Pfeilen und anderen Waffen reichlich versorgt. Der dazugehörige Garten und Hof, mit hohen Mauern umgeben, war ein Burgschutz, von dessen Brustwehr man den Feind mit Pfeilgeschoßen fernhält. Die unteren Räume waren teilweise mit Fallgattern versehen und eiserne Ringe in den Wänden lassen vermuten, daß Gefangene dort ihres Schicksals harrten."

Ein auffallend wehrhafter Bau

Vielleicht diente er als Schutzhaus zur Zeit der Einfälle in das Ennstal durch die Baiern und Salzburger Scharen, und später gegen Aufständische aus der Bürger- oder Pfannschaft oder der benachbarten Bauernschaften?"

Für mich liegt aber eine gewisse Unlogik in der Beschreibung der "alten Funktion" des großen Hauses. Gehen wir tatsächlich einmal vom Bestehen des Baues vor der Zeit um 1400 aus: abgesehen von dem Blick auf die nahe, tiefer gelegene Traun in ein paar Meter Entfernung - fast ringsum nur ansteigende Höhen. Das bedingt wahrlich keinen Standort für eine "wehrhafte Anlage", ob mit oder ohne Mauern, ob mit oder ohne schießschartenähnlichen Öffnungen -oder wenn das Gebäude samt Hof und Garten, auf fast allen Seiten, von oben her, so verletzlich da liegt. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß sich geologische Bedingungen, die seitlichen Hanglagen, erst in den letzten fünf Jahrhunderten gebildet haben.


Geheimnisvolle Geschichten und Sagen
zurück zum Seitenanfang

Das Haus birgt auch etwas Geheimnisvolles: Wohl im Zusammenhang mit jeder wehrhaften Anlage ranken sich Geschichten und Sagen um vermeintliche unterirdische Gänge. So auch bei der "Blauen Traube". Eine Version - und dies scheint mir in der Tat eine glaubhafte im Zusammenhang mit der Bedeutung des Hauses zu sein - ist jene, die besagt, es habe einen solchen Gang zwischen dem Haus und dem etwas höhergelegenen sogenannten Tauscherin-Stadl gegeben. Weniger wahrscheinlich ist die ebenfalls überlieferte Variante, es habe eine unterirdische Verbindung von der "Blauen Traube" gar bis Gschlößl (zum Schlömmer) gegeben (ca. drei Kilometer ebenfalls ansteigend in etwa parallel zur alten Salzstraße). Der frühere Ausseer Schulrat Otto Körber (* 18.11.1886, + 27.2.1945), der auch intensiv die alten "Salzofen-Höhlen" im Toten Gebirge mit vielen prähistorischen Funden erforscht hat, soll jedoch jenen unterirdischen Gang Richtung Gschlößl sehr weit selbst begangen haben, bevor er aus Sicherheitsgründen zugeschüttet worden sein soll.

Was nun das "Gschlößl" (im heutigen Ortsteil Straßen - Anger) anbelangt, so soll es sich aber doch um ein Haus gehandelt haben, welches schon oft geschichtliches Interesse geweckt hat. "Auf den ersten Blick erkennt man", meint auch Franz Hollwöger, "daß es kein landesübliches Bauernhaus ist. Es wurde schon vor Jahrhunderten als Gschlößl bezeichnet. Es ist sogar möglich, daß es früher einmal Sitz eines verarmten oder "verbauerten" Ritters war."

Im Inneren des Hauses sind noch heute alte mächtige Türstöcke zu sehen.



Der Nachbar ein "Aufrührer"
zurück zum Seitenanfang

In den Ausführungen von Johanna Gräfin zu Eltz ist, was die nachfolgenden Besitzer der "Blauen Traube" betrifft, mehr zu erfahren: Indirekt, so scheint es in den alten Schriften, hatte auch der "Widerstand gegen die Türkengefahr" (1569) vielleicht eine Rolle gespielt - aber auch schon die Zeit 30 Jahre zuvor.
Überliefert ist nämlich, daß genau gegenüber dem Ermannschen Freistift der Leinweber Sturl (vulgo Stirl) gewohnt - und "rebellische Gedanken" (während der Unruhen 1525 unter Erzherzog Ferdinand) gehabt hat. Er versammelte "Aufrührer" in seiner Behausung, doch der Aufstand wurde "niedergedrückt und gestillt". Stirl und vierzig andere flohen. Nach den damaligen Strafbestimmungen mußte die Behausung des Aufrührers durch Brand vernichtet werden (bzw. bei Feuergefahr für Nachbarhäuser abgebrochen und an anderer Stelle verbrannt werden).

Im Falle des Leinenweberhauses ist klar, daß es an Ort und Stelle den Flammen zum Opfer fiel; eine alte Aufzeichnung besagt nämlich, daß der Sohn Jakob Tollingers, Balthasar (wir kommen noch näher auf ihn), als Knabe den schaurigen Brand mitbeobachtet hat. Weiter ist bekannt, daß 300 tschechische Kriegsknechte aufgeboten waren, um die flüchtigen Rädelsführer wieder zu fassen und um die Brandschatzgelder in Aussee und im Ennstal einzutreiben.

Da es verboten war, an der Stelle der leeren Hofstatt (nach Niederbrennung der Behausung eines Aufrührers) wieder zu bauen oder sie einzufrieden, wollte damals niemand den Platz haben. Erst Jakob Tollinger erwarb den Grund gegenüber der "Blauen Traube" um "vier Pfund Pfennige" und durfte ihn ebenfalls erst nach etlichen Jahren mit "Planken" versehen.

Und Gräfin zu Eltz berichtet weiter: "Erst als im Jahre 1537 der "Zug für Essegh furgefallen", die Bürgerschaft von Aussee zur Schenkung von Roß, Landsknecht, Wagen und Steuern herangezogen wurde, verkaufte Jakob Tollinger Grundstücke, um den Bürgern zu Hilfe zu kommen."


"Türkensteuer"
zurück zum Seitenanfang

Und dann die regelrechten Besitzverhältnisse: Von seinem Vater Jakob Tollinger übernahm 1558 Balthasar Tollinger den Ermannschen Besitz. Balthasar war ebenfalls "Gegenschreiber" und verheiratet mit Ursula, einer Tochter von Christoph Praunfalk. Er mußte dann 1569 für sich, seine Frau, die Kinder und für das Gesinde Kontribution (oder Türkenhilfe) bezahlen. "Türkenhilfe" heißt in diesem Zusammenhang natürlich nicht, diesen womöglich Hilfe zu gewähren, sondern das Gegenteil - sie abzuwehren!

Kunstvolle alte Beschläge zieren noch heute Türstöcke im Haus der "Blauen Traube"


Zu Bruck an der Mur mußte jeder der Bauernschaft "sein Vermögen beschreiben und den vierten Teil zum Türkenwiderstand" abliefern. So wurde auch die Ermannsche Behausung veranschlagt: "Balthasar Tollinger hatte von dieser (Behausung) und deren Zugehörigen alle Aufschläge und Bürden wie andere Edelleute dieses Landes Steyr von ihren Schlössern und Häusern zu bewilligen, zu reichen und zu leisten gehabt."


Der Einfluß der Reformation
zurück zum Seitenanfang

Jener Balthasar Tollinger war aber nicht nur davon betroffen - für ihn persönlich kam es im Jahre 1600 noch viel schlimmer. Er war noch immer Besitzer der "Blauen Traube" (Hs.Nr. 165 in Bad Aussee). Er war aber mittlerweile durch die Reformation Anhänger des Lutherischen Glaubens, des Protestantismus, geworden. So bekam er rund ein Jahr nach der Gegenreformation (1599) die "Revision bzw. Superreformation", wie sie auch Hollwöger beschreibt, durch den persönlichen Einsatz von Fürstbischof Martin Brenner deutlich zu spüren. Eine Kommission zur offenbar vorgehabten zwangsweisen Revision der vom katholischen Glauben Abgekehrten, kam erst gar nicht nach Aussee. Mitterndorfer und Ausseer ("Abtrünnige") wurden für den 7. Juli 1600 nach Irdning vorgeladen. Von diesem Termin weiß man heute durch alte Aufzeichnungen, daß "die lange Predigt des Bischofs und der väterliche Zuspruch der Kommission bewirkten, daß kein einziger bei der ´Ketzerei´ blieb, sondern alle katholisch zu kommunizieren versprachen."

Zur gleichen Zeit jedoch hatte der neue katholische Pfarrer Esaias Haupt (Capito) zu Aussee (er hatte sein Ernennungsschreiben erst am 18. April 1600 vom Administrator des Domstiftes zu Passau, Christof Pötting von Persing, erhalten) am 8. Juli den Befehl bekommen, "alle widerspenstigen Pfarrkinder zu examinieren, ob sie innerhalb von drei Wochen beichten und kommunizieren wollen. Die dies nicht wollen, müssen dem Pfleger von Wolkenstein angezeigt werden, der sie aus den Erbländern auszuschaffen hat".

Die Ausweisung der "vornehmsten Protestanten Tollinger, Neumayr, Schöffmüller und Dürnbacher" aber machte bedeutende Schwierigkeiten. Wie die alten Schriften belegen, hatte Tollinger sogar schon im Jänner 1600 ausgewiesen werden sollen, "weil er allerlei stürmische Auftritte anrichtet, die Predigten im Hause ("Blaue Traube") selber hält, die Katholiken beschimpft, die Ausgewiesenen zurückhält und gar den ausgewiesenen Schulmeister (?) beherbergt."

Nach dem dritten Ausweisungsbefehl am 11. Juli 1600 bat Tollinger den Erzherzog, ihm (Tollinger) als 80jährigen Diener des Hauses Österreich (seit 1552), der zudem krank ist, eine Aufenthaltsbewilligung zu verschaffen, damit er wie andere Edelleute die Freiheiten des Landes genießen könne. Die Antwort des Erzherzogs war aber ablehnend: "Als Edelmann werde er nicht anerkannt - und ein Grund zur Lamentation sei nicht gegeben."

Schon dreimal war bis dahin die Ausweisungsfrist erfolglos abgelaufen. Daran erinnerte am 6. Oktober 1600 der Erzherzog den Verweser Geroltshofer; neue Frist: "binnen acht Tagen!"

Tollinger widersetzte sich neuerlich am 16. Oktober 1600 mit einem Schreiben "an die Verordneten", die ihrerseits den Erzherzog nochmals darauf hinwiesen, daß Tollinger Edelmann (Landmann) sei und vom Ausweisungsbefehl nicht betroffen werden könne.

So wehrte sich Tollinger weiter und wich nicht. Am 23. November 1603 starb er in Aussee. Sein Grabstein befindet sich links von dem seines Schwiegervaters Christoph Praunfalk bei der Pfarrkirche St. Paul.


In der Folge viele Besitzerwechsel
zurück zum Seitenanfang

Von seinen Töchtern war Kunigunde (+ 1583) mit Leopold Gruber verheiratet (auf ihn verwies ein Wappenstein von 1572 am "Fasching-Haus" in der Parkgasse). Die anderen Töchter Ursula und Regina verkauften dann das Vaterhaus 1627 an den Bäcker Matthäus Hueber im Podenhaus. Jener Hueber (er war sechsmal Marktrichter) hatte aus zwei Ehen 13 Kinder; Erbe war der Sohn Hans-Bartholomäus (+1664). Dessen Witwe verehelichte sich 1677 mit dem Amtsschreiber Johann Georg Frosch. Nach dem Tod der Frau (1693) erbte die Tochter Rosalia Hueber den Besitz, die aber schon ein Jahr später starb. Die Geschwister von Rosalia entschlossen sich daraufhin, den Besitz an den Bäcker Hans Hammerl (1665 - 1746) zu verkaufen. Hammerl war verheiratet mit Judith Kolb (sie stammte aus dem Haus Aussee Nr. 62). In der Folge hieß das Haus "beim Hammerl-Bäck".

Einen neuerlichen Besitzerwechsel gab es dann 1746, nachdem die einzige überlebende Tochter Hammerls, Maria Theresia (1702 - 1764), welche die zweite Frau des Brauers Sebastian Ettenauer gewesen war, das Haus ihrem Sohn Christian (Hammerl) übergeben hatte.

Aus unbekannten persönlichen oder wirtschaftlichen Gründen schien das aber nicht das Richtige gewesen zu sein, denn 13 Jahre später, im Jahre 1759, ließ die Witwe Ettenauer den Besitz auf ihren sechsten Sohn, Anton (1738 - 1808), eines von 13 Kindern übertragen.
Anton seinerseits hatte mit seiner Frau, der Bauerstochter Katharina Schörkmayr aus Mitterndorf (sie stammte aus dem "Gasthof Post"), ebenfalls 13 Kinder. 1786 allerdings geriet er in Konkurs und der Besitz wurde um 3000 fl (Gulden) an den Müllersohn Franz Steinmüllner (1731 - 1790) aus Klachau versteigert.


Die "Walcher"
zurück zum Seitenanfang

Die Witwe Franz Steinmüllners, Maria, (sie stammte aus Goisern), heiratete 1790 den Postmeistersohn Michael Walcher (1757 - 1841), der aus Altenmarkt a. d. Enns stammte. "Und so kamen die Walcher auf das Haus", schreibt Franz Hollwöger in seiner "Häusergeschichte von Aussee" (Februar 1957).

Mit seiner zweiten Frau, Elisabeth Plochberger, Wirtstochter aus Kotting bei St. Pölten, hatte Michael Walcher fünf Kinder, von denen das jüngste, der Sohn Gabriel (1813 - 1879) sein "Nachfolger" wurde. Auch Gabriel war zweimal verheiratet; in erster Ehe mit der Leitenmüller-Tochter Josefa Stüger (mit der vier Kinder hatte), und in zweiter Ehe mit der Wirtstochter Maria Hackl aus St. Georgen bei Rottenmann (sieben Kinder).

Gabriel Walcher war es, der dem Haus Nr. 165 den Namen "Blaue Traube" gab. Er war es auch, der "Altertümer" sammelte, und so zuerst in den Besitz der beiden sogenannten "Römersteine" gekommen war.

Das Haus und der Besitz der früheren Tollinger hinter der Spitalkirche, das "Taschnerfeld" und ein "Krautgarten", waren aber laut offensichtlich ungenauer Wiedergabe von Johanna Gräfin zu Eltz schon früher an Tollingers Tochter und deren Erben übergegangen. Die Tollinger wurden später als "verunglückte Edelleute" bezeichnet. Wie Gräfin zu Eltz alten Aufzeichnungen richtig zu entnehmen glaubte, sind "ihre Nachkommen im Türkenkrieg zugrunde gegangen".


Ein "Emigranten-Korps" schädigte auch Ausseer
zurück zum Seitenanfang

In der recht unruhigen und unsicheren "Franzosenzeit" war der Bäcker Michael Walcher Besitzer des Hauses Nr. 165 ("Blaue Traube"). Im Frühjahr 1797 war es, als die Franzosen von Kärnten her in die Steiermark (bis Graz) einbrachen. Damals schrieb ein Ausseer Chronist: "Weinen und Heulen, Zittern und Zagen, so daß man sich gleich gern in die Erde graben lassen möchte. Lieber sterben als den Franzosenfeind kommen sehen!"

Obwohl noch 1797 in Leoben Frieden geschlossen worden war, kam es zwei Jahre später für das Ausseerland schlimm. Nicht etwa, daß Franzosen als Feinde kamen, nein, das "Emigrantenkorps" des Prinzen von Condé Ludwig Josef von Bourbon, in englischem Sold stehend, russische Uniformen tragend, gar unter österreichischem Oberbefehl, suchte auf dem Rückmarsch aus Oberitalien nach Salzburg das Ausseerland heim.

So war z. B. die 5. Kompanie des "Regiments Condé" am 11. Juni 1800 in Altaussee einquartiert. Wegen ihrer "hohen Ansprüche, ihres hochfahrenden Auftretens und geringer Manneszucht" waren die sogenannten Condéer schon übel beleumundet. Eine Nachricht nach Admont beinhaltete: "Wir haben nun die Condéer wieder auf dem Hals, die hier Kaldeer genannt werden. Wir haben Tag und Nacht keine Ruhe . . . Gott gebe es, daß wir diese Schmaushelden bald los werden, sonst zehren sie uns auf...!"


Bäcker Michael Walcher in der "Blauen Traube" war einer der vielen betroffenen Handel- und Gewerbetreibenden. In einem Schriftstück vom 28. Februar 1801 wird dies deutlicher: "Ausweis über den von dem Prinz Condé-Corps beim Rückzug im landeslfürstlichen Markt Aussee gemachten Schaden - Schulden und Diebstähle."

Da waren der Fleischhacker Lorenz Stremberger und der Lebzelter August Kliemstein ebenso geschädigt wie eben Bäcker Walcher, der die Verpflegung für 24 Mann und einen Klafter Holz offensichtlich "in den Kamin" schreiben mußte.


Auch Erzherzog Johann war hier
zurück zum Seitenanfang

Michael Walcher hatte offenbar die Bäckerei an seinen Sohn Gabriel übergeben. In einem Salinenplan aus dem Jahr 1835 taucht nämlich Gabriel Walcher (+ 5. Juli 1879) als Besitzer des Hauses Nr. 165 auf, auch in einer Auflistung der Verkaufsläden bei der Spitalskirche von West nach Ost (von rechts der Spitalkirche bis in die heutige Kirchengasse). "Konkurrenz" hatte Gabriel Walcher damals reichlich: Gab es doch auch ganz in seiner näheren Umgebung die Bäcker Josef Peer, Franz Wiesinger (heute Klackl) und Engelbert Winkler. Die Bäckerei Walcher in der "Blauen Traube" bestand auf alle Fälle noch bis 1913 (Pächter Johann Steinecker).

Ein großes Ereignis für die Familie Walcher und ihr Haus war wohl das Jahr 1843, als der "Steirische Prinz", Erzherzog Johann, 50 Personen zu einer "Tafel" anläßlich der Goldenen Hochzeit seines Freundes Paul Adler (aus Mühlreith 11) in der "Blauen Traube" lud und auch selbst erschien.
Gabriel Walcher war im Markt ein angesehener Mann, bekannt als Förderer der Bürgermusikkapelle. Auch die beiden Söhne Prof. Ferdinand Walcher und Hofrat Franz Walcher waren sehr geachtete Bürger, ebenso wie der Sohn Johann (1833 - 1899) aus erster Ehe, der 1866 Mitbegründer der Sparkasse Aussee war, sich aber auch als Musiker und Komponist einen guten Namen gemacht hatte; er übernahm das Haus im Jahr 1880.


In der "Neuzeit" ein beliebter Gasthof
zurück zum Seitenanfang

Das alte Zunftzeichen der
"Blauen Traube"

Vieles aus sehr weit zurückliegenden Jahren ist datumsmäßig genau überliefert. Aber gerade in der jüngeren Geschichte dieses hochinterssanten Hauses scheinen sich die Spuren der Besitzer etwas zu verwischen, eben um jene Zeit von 1880. Schreibt nämlich Maria von Plazer in ihrem 1907 im Grazer Verlag Moser (J. Meyerhoff) erschienenen Buch "Historische Wanderungen" auf Seite 74 folgendes:

" .... und schließlich erwarb 1880 Therese Hertl das Haus für sich und ihre Kinder ....", so erklärt die Direktion des Steiermärkischen Landesarchives auf eine Anfrage von mir, " .... daß eine Therese Hertl um 1880 nicht im Besitz des Hauses Aussee 165 aufscheint."

Die Anfrage hatte sich nämlich aus einem deutlichen Widerspruch aus Plazers Erwähnung und Ausführungen von Franz Hollwöger ("Ausseer Land", Ausg. 1956, S. 265) ergeben. Hollwöger weiß nämlich von datierten Gästebuch-Eintragungen in der "Blauen Traube", wobei auch Peter Rosegger (Hollwöger.: " .... der in seinen Werken wiederholt und freudig vom Ausseerland spricht", z. B. "Rings um den Dachstein") am 24. Juni 1881 Schriftliches hinterlassen hat:

"Dem herrlichen Aussee
und seinen wackeren Bewohnern
aus ganzem Herzen mein Glückauf!" -

Und gar noch am 22. Juli 1887, als er mit seinem Sohn Josef wieder hier war, schrieb er ins gleiche Gästebuch:

"Das Haupt ohne Scheu,
Das Herz ohne Reu,
In Freud und Leid
Dem Volke treu! -
Seinem verehrten Freund
Herrn Johann Walcher"


Also doch noch ein Walcher Besitzer der "Blauen Traube"? Die Nennung von 1880 im Zusammenhang mit Therese Hertl (1840 - 1901) als Besitzerin ist sehr wahrscheinlich ein Druckfehler - sollte, wie heute bekannt ist, 1888 heißen.

Deutlicher belegbar wird aber spätestens dann 1892, daß die "Blaue Traube" doch erst 1888 in den Besitz von Therese Hertl übergegangen ist. In Privatbesitz befindet sich nämlich ein Zeugnis, in dem Therese Hertl als "Besitzerin des Gasthofes Blaue Traube" am 2. Mai 1893 einer Maria Steinegger "Fleiß und sittsames Betragen zu meiner vollen Zufriedenheit" als Bedienstete vom 12. November 1892 bis 2. Mai 1893 bestätigt.

Richtig ist, was die Besitzfolge anbelangt - so wie M. v. Plazer hinsichtlich des Kaufes durch Therese Hertl "für sich und ihre Kinder ...." geschrieben hat - daß dann 1907 Karl Hertl der Gasthofbesitzer ist. Nachdem dessen Mutter das Haus gekauft hatte, war Johann Walcher in das "Lederer-Haus" - "Pumpern" (Villa Emilie) - übersiedelt. Die "Hertl-Kinder" führten das Geschäft bis 1913 weiter, nur die Bäckerei hatten sie an den bereits erwähnten Johann Steinecker verpachtet.


"Peterstüberl" - Keimzelle der SPÖ ?
zurück zum Seitenanfang

Aber da gibt es noch eine andere Geschichte - sogar von historischer Bedeutung - um die Jahrhundertwende.

Eine Gedenktafel an Karl Renner befindet sich außen an der "Blauen Traube"


Leider nur aus Erzählungen von Großvätern oder gar Urgroßvätern wissen nur noch wenige Ausseer, daß hier - nämlich in der "Blauen Traube" - durch den späteren Bundeskanzler und Bundespräsidenten Karl Renner (1870 - 1952) der Grundstein der heutigen Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) gelegt worden war. Lediglich eine kleine Gedenktafel neben dem Eingang kündet von Besuchen Karl Renners in dem altehrwürdigen Gasthof, wo man sicherlich im Nebenstüberl im kleineren oder größeren Kreis gut Pläne schmieden konnte.

Von sich selbst aus gewollt hatte Renner dies aber offensichtlich gar nicht so sehr. In seinen Erinnerungen in dem Buch "An der Wende zweier Zeiten" erwähnt er nämlich, daß er im Sommer des Jahres 1895 "durch den Broterwerb, durch die Vortragstätigkeit, durch die politische Organisationsarbeit und durch das nebenherlaufende Studium ziemlich erschöpft" gewesen sei.

Deshalb fühlte er sich nicht vorbereitet genug, um mit den Prüfungen (nach Besuch der Vorlesungen an der Universität und der Erteilung des Absolutoriums) zu beginnen. Durch Professor Singer war Renner in die Großindustriellenfamilie Hellmann empfohlen worden und übernahm bei ihr den Posten eines Korrepetitors, zunächst nur für den Sommer in Grundlsee. Er hatte deren Sohn Otto drei Stunden vormittags zu beschäftigen - im übrigen aber nicht in ihrem Hause zu wohnen. Dafür erhielt Renner dennoch laut seiner eigenen Aufzeichnung "ein ausreichendes Honorar", um im Markt Aussee eine bescheidene Wohnung "für mich, meine Frau und mein Töchterchen" zu mieten.


Dann findet sich aber eine wesentliche Passage in seinen Erinnerungen, die ich zum besseren Verständnis in gewisser Ausführlichkeit wiedergeben will:

"Endlich waren wir zu dritt beisammen und sollten es von nun ab bleiben! Dabei gedachte ich, in dieser vornehmen Sommerfrische aller Gesellschaft und Politik entrückt zu bleiben und mich ganz dem Studium zu widmen. Aber was sind Vorsätze!

Eine einfache, eiserne Deckenlampe hängt noch heute im "Peterstüberl" der "Blauen Traube"; eine geschnitzte Holzfigur des hl. Petrus steht im Zentrum dieser Lampe. Es ist das "Peterstüberl", das um die Jahrhundertwende gern von Karl Renner, dem späteren Bundeskanzler und Bundespräsidenten besucht wurde, wo er viele Diskussionen mit Gleichgesinnten führte, und wo er sicherlich auch den Grundstein für die heutige SPÖ legte.

Es währte keine Woche und meine Frau und ich waren mit den Handwerksgesellen des Ortes und mit einigen Salinenarbeitern gut bekannt, sie luden mich an einem Abend in ihr Stammlokal, das sie in einem abseitigen Zimmer des Hotels "Zur Blauen Traube" (= Peter-Stüberl, Anm. d. Verf.) aufgeschlagen hatten, und dort begann das alte Frage- und Antwortspiel. Zwei Abende wöchentlich saßen wir bis tief in die Nacht beisammen, wieder wurden unser von Abend zu Abend mehr, alt und jung hingen mit wahrer Inbrunst an den Lippen dieses jugendlichen Lehrers, den ihnen da ein Zufall hereingeschneit hatte, in den Ort, in den nun endlich jemand von außen gekommen ist, um ihnen zu erzählen, was in der Welt vorgeht und vor allem, worum in Wien auf den Straßen gekämpft wird und Blut fließt."

Die geradezu rührende Anhänglichkeit an Karl Renner und seine kleine Familie zeigte sich am Abschiedsabend. Die Freunde hatten unbemerkt etwas Geld gesammelt, um eine silberne Uhrkette mit einem Schiffchen als Anhänger zu kaufen, mit der Inschrift "Aussee 1895". DiesesGeschenk überreichten sie ihm zum Abschied - ein junger Tischlergehilfe namens August Lindner war ihr Sprecher. (Lindner wurde später SP-Landesparteisekretär der Steiermark und steirischer Landtagsabgeordneter).

Karl Renner später über diese Zeit:
zurück zum Seitenanfang

"Nach dem Sieg der Demokratie fand ich sie, als ich aus Anlaß meiner Präsidentschaftskandidatur Versammlungen im Salzkammergut hielt, als erste Vertrauensmänner, zum Teil als Bürgermeister ihres Ortes wieder. Diese innigvertrauten Aussprachen in diesem Kreise, die "Idylle in der Blauen Traube", gehört mit zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens: Selten hatte ich sonst die Freude, in so jungfräuliche, treue Seelen den reinen Glauben an eine schönere Zukunft des Menschengeschlechtes zu pflanzen."

Es war in der Tat manches noch idyllischer als heute, doch so uneingeschränkt "die gute alte Zeit", als die wir sie oft betrachten, war sie wohl auch nicht. Jedenfalls, was die "Blaue Traube" anbelangt, waren die Jahre bis 1913 jene Zeit, in der Therese Hertls Sohn Karl die Geschicke des Gasthofes leitete. Wie er dies letztendlich tat, läßt sich nicht sagen, doch steht fest, daß im Jahre 1907 als neuer Besitzer erstmals eine Brauerei (die Grazer Reininghaus), die heutige "Steirer Brau AG", aufscheint. Das Haus hatte in der Folge eine Reihe von Pächtern gesehen, doch sind leider auch im Archiv der Grazer Brauerei nicht mehr alle Namen nachvollziehbar. Einer aus der Anfangszeit ist verbürgt, nämlicher jener von Adolf Hüttmaier, der, wie bereits am Beginn erwähnt, den "Römerstein" an einen Burgenländer Weinhändler verkauft hatte.

Erhalten geblieben ist eine Holz-Wandtafel mit dem Porträt des pfeiferauchenden Alois Hüttmaier, der um 1920 Pächter der "Blauen Traube" war, der es aber "auf dem Gewissen" hatte, daß der "Römerstein" für rund vier Jahrzehnte ins Burgenland gekommen war. Geschnitzt hat diese Holztafel der Ausseer Bildhauer Alois Feichtinger.

 


In den vierziger und fünfziger Jahren war im zweiten Stock der "Blauen Traube" auch das von Hans Gielge gegründete "Heimatwerk" untergebracht, ein Vorläufer des späteren Heimatmuseums bzw. des Kammerhof-Museums. Die schwere Holzdecke gibt es dort oben, wo sich heute Gästezimmer befinden, leider nicht mehr; im ersten Stock ist sie noch erhalten. - Das Aquarell, das die frühere Situation des "Heimatmuseums" zeigt, entstand 1942, vermutlich von demselben Maler, der auch die obige Außenansicht des mächtigen Baues als Aquarell festgehalten hat

Heute befindet sich in dem historischen Bau das gepflegte, mit viel Holz ausgestattete, Restaurant der "Blauen Traube". Schon in viel früherer Zeit ist hier immer gerne auch die "Prominenz" eingekehrt; daran hat sich nichts geändert.


Aufwendige Renovierung erhielt den Prachtbau
zurück zum Seitenanfang

Erst ab dem Jahr 1939 gibt es wieder genauere Aufzeichnungen, die besagen, daß die bekannte und beliebte Ida Stüger Pächterin vom 1. Juni 1939 bis zum 30. September 1964 (!) - immerhin stolze 25 Jahre - war. Ihr folgten dann als "Wirtsleute" Gerlinde und Karl Jansenberger (vom 1. 10. 64 bis 1. 8. 66). Die letzten Pächter, Elfriede und Alois Angerer, waren von August 1966 bis Dezember 1979 tätig.

Das ansteigende Gelände hinter dem Gebäude der "Blauen Traube" diente Mitte der Fünfzigerjahre auch als idealer Austragungsort für ein "Verbandsschießen" der Stahelschützen. Allerdings kam es damals zu Unstimmigkeiten bei der Auswertung und so war für eine Gruppe Ausseer Schützen der Anlaß gegeben, einen zweiten Schützenverein zu gründen:
Im Foto v.l.n.r.: Zieler Hans Khalß (vlg. Lammersberger Hans), Franz Hillbrand (vlg. Gustn Franzl) und Alois Ainhirn (vlg. Stoffn Lois).

Im Jänner 1980 war es dann, daß sich die Brauerei als Besitzer von der "Blauen Traube" trennte und das Objekt nach eingehenden Verhandlungen an Maria und Helmut Ruppe verkaufte, die im Laufe der Jahre mit vielen Investitionen das Gebäude im neuen "alten Glanz" erstrahlen ließen.

Heute ist die "Blaue Traube" als schmuckes und eines der ältesten Ausseer Gebäude schon regelrecht zu einem Besichtigungspunkt für Besucher des Ortes geworden - und zum beliebten Foto-Objekt. Der Dreisterne-Gasthof, zu dem ein gemütlicher Gastgarten gehört, bietet 14 modern ausgebaute Gästezimmer (mit 25 Betten, Dusche, Bad/WC, TV und Telefon). Im gemütlichen Restaurantbereich, ausgestattet mit viel Holz, ebenso wie die Nebenzimmer für kleinere "geschlossene Feiern", wird der Gast von der familiären Atmosphäre beeindruckt sein und viele Spezialitäten der Internationalen sowie der heimischen Küche genießen. Nicht umsonst trägt der Gasthof heute die Auszeichnung "Gute Steirische Gaststätte", in der auch das Angebot an exzellenten Weinen und ausgezeichneten Bieren der "Steirer Brau" nicht zu kurz kommen.

Viele Besucher - und nicht nur kunsthistorisch Interessierte - schätzen die "Blaue Traube" als Refugium für einen erholsamen Aufenthalt in Bad Aussee oder auch als Ausgangspunkt für Entdeckungsausflüge ins malerische Ausseerland, die eben auch oft in die interessante geschichtliche Vergangenheit führen können.

zurück zum Seitenanfang

*

  Gasthof Blaue Traube, Helmut und Maria Ruppe
Kirchengasse 165, 8990 Bad Aussee
Tel: +43/3622/52363 Fax: +43/3622/52363-30
office@blauetraube.at