|
Index:
Einleitung
URKUNDLICHE ERWÄHNUNG "ERMANNS"
GEHEIMNISVOLLE GESCHICHTEN UND SAGEN
DER NACHBAR EIN "AUFRÜHRER"
"TÜRKENSTEUER"
DER EINFLUSS DER REFORMATION
In der Folge viele Besitzerwechsel
Die "Walcher"
EIN "EMIGRANTEN-KORPS" SCHÄDIGTE AUCH
AUSSEER
Auch Erzherzog Johann war hier
In der "Neuzeit" ein beliebter Gasthof
"Peterstüberl" - Keimzelle der SPÖ
?
Karl Renner später über diese Zeit:
Aufwändige Renovierung erhielt den Prachtbau
Einleitung
zurück zum Seitenanfang
Zu einem der interessantesten und auch ältesten
Gebäude in Bad Aussee, sehr wahrscheinlich sogar älter als der
aus dem Ende des 14. Jhd. stammende "Kammerhof" (Salzamtsgebäude
- später mehrmals an- und umgebaut), gehört das "Ermann-Tollinger-Haus".
Wohl kaum ein Ausseer, geschweige denn jemand von den vielen Gästen,
ahnt, daß es sich bei diesem Begriff um das heute noch bestehende
Haus handelt, in dem sich der Gasthof "Zur Blauen Traube" befindet.
Allerdings, Einheimische wie Gäste wissen meist
von einem verhältnismäßig kleinen Relikt aus noch viel
älterer Zeit - dem Römerstein, der rechts im Eingang des heutigen
Gasthofes eingemauert ist. In verschiedenen Geschichtsbüchern wird
darauf hingewiesen, doch ist es nur einer von vielen Funden aus der Römerzeit,
die uns erhalten geblieben sind. "Römersteine" waren schon
etliche gefunden worden, wie auch Muchar und Ferdinand v. Andrian in ihren
Veröffentlichungen hinweisen, die ebenso in Franz Hollwögers
Beschreibungen des Ausseerlandes vorkommen. Allerdings, so ist bei Hollwöger
nachzulesen, gibt es neben einem in Bad Mitterndorf gefundenen auch einen
"umstrittenen" Römerstein. Das war aber nur bis 1873 der
Fall, als Mommsen auf eine Verwechslung zwischen dem "Pötschen"
(Pass zwischen Oberösterreich und der Steiermark) und dem eigentlichen
Fundort "Petzen" (in Kärnten) hinwies. Es handelt sich
dabei um den "Lamprinus-Stein", den dann Dr. Franz Stroh (Linz)
in einer besonderen Veröffentlichung in der Salzkammergut Zeitung
1951 eben Kärnten zuordnet.
|
|
Zu deutsch: "Den Schattengöttern, Success,
Sohn des Sumus und Accepta, dessen Gemahlin, haben dies Denkmal bei
Lebzeiten gesetzt, sich selber und ihrem Sohne Citatus, gestorben
mit zwei Jahren. |
Zurück zur "Blauen Traube", wo sich
außer dem bereits erwähnten Römerstein im Vorhaus noch
ein weiterer, an der Außenmauer befestigter, befunden hat. Speziell
diesen hatte der Heimatforscher Muchar (lt. Hollwöger) als "Hauptzeuge
für römische Salzgewinnung in Aussee" betrachtet. Dabei
hat sich Muchar aber offenbar, wie heute klar ist, geirrt. Die zwei Figuren
mit Gefäßen in den Händen sind keine Salzsieder, sondern
Darstellungen, wie sie auf römischen Grabsteinen öfter vorkamen.
Dieser Stein ist 1920 verkauft worden und befand sich im Privatmuseum
von Sandor Wolf in Eisenstadt. Es war der damalige Wirt Adolf Hüttmaier,
der den Stein an den Burgenländer Weinhändler veräußert
hatte. 40 Jahre dauerte es dann, bis der Römerstein wieder nach Aussee
zurückkam - allerdings erst nach einer interessanten Odyssee, die
damit begann, daß der Stein durch die "Arisierung" des
Wolf´schen Besitzes in das Landesmuseum in Eisenstadt wanderte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich besonders das Heimatmuseum
Ausseerland, die Brauerei Reininghaus (seinerzeit Besitzer der "Blauen
Traube") sowie Pächter Viktor Stüger, den Stein zurückzuerhalten.
Letztendlich aber erst dem Bemühen von Landesamtspräsident
Dr. Karl Angerer war es zu verdanken, daß sich die Landesregierung
Burgenland einsichtig zeigte und einem Verkauf an das Land Steiermark
zustimmte. Dieses nun beschloss, den Römerstein dem Ausseerland
als "ständige Leihgabe" zu überlassen. Im Herbst 1959
war der fast 2 Tonnen (!) schwere Stein ins Heimatmuseum gekommen, im
August 1960 fand er dann endlich seine Wiederausstellung im Gasthof "Blaue
Traube".
|
Der Nach Aussee zurückgekehrte
Römerstein
|
|
Wie kurz erwähnt, handelt es sich um einen römischen
Grabstein, der eben nicht Salzsieder, sondern ein Diener-Paar mit verschiedenen
Gefäßen zeigt - leider nur als Fragment. Da jegliche Inschrift
fehlt, ist eine Datierung des Steins unmöglich.
Urkundliche Erwähnung "Ermanns"
zurück zum Seitenanfang
Doch kommen wir zu dem alten, hochinteressanten Haus
selbst. Es gilt als sicher, daß es sich um ein "Freihaus"
gehandelt hat, das den Edelleuten Ermann aus Steyr "verliehen"
worden war. Es werden nämlich Mert und Hans Ermann in einer Urkunde
von 1454 erwähnt, von denen Kaiser Friedrich III. "Gülten
und Güter zu Aussee" gekauft hat, um sie dem Kammerhof einzuverleiben.
Auch in Stiftungen und Kaufbriefen aus den Jahren 1460 bis 1471 kommt
der Name Ermann vor.
Interessant ist eine alte Aufzeichnung, die bei Hollwöger
zu finden ist: "Von Mört und Hans Ermann, Söhnen des Ulrich
und der Katharina Ermann, kaufte Friedrich III. Gülten und Güter
in Puchen, Keygen (?), Goisermoos und Reitern um das zwölffache (Anm.:
55 Pfund Silberpfennige). Die Ermann waren Edelleute aus Steyr, die die
"Blaue Traube" besaßen. Da sie kein Handwerk trieben,
zahlten sie auch keine Steuer."
Wie nämlich auch Gräfin Johanna zu Eltz in
einer Beschreibung jener Zeit festhält, hatte es in einer Verordnung
des Landes Steyr geheißen: "Wo Prälaten, Grafen und Herren,
Ritter oder Knechte um den Städten oder Märkten oder in dem
Bergfrieden Häuser oder Gründe haben, die keinen Grundzins dienen
und darauf keine gewöhnliche Steuer liegt, die sollen hierfür
nicht besteuert werden."
Als der Kaiser um 1470 befahl, wegen des großen
Holzverbrauches, alle "Padtstuben" (Anm.: Brechlstuben, um den
Flachs zu dörren) im Markt abzuschaffen, durfte nur die Ermannische
bestehen bleiben. Dieser Abschaffungsbefehl war von Friedrich III. auch
wegen der Feuergefahr zur Durchführung an den Verweser Wolf Metschacher
und Andreas Fuchsberger ergangen.
Was die Ermanns selbst anbelangt, so befindet sich
bei der Pfarrkirche ein Grabstein: "Hans Ermann + 1484, vermählt
mit Margarethe Praun." Der Stein trägt zwei Wappen (nach Hollwöger):
- eine schräglinks gestellte Spitzhaue und den Pferdekopf der Praun.
Jakob, der letzte dieser Linie der Ermann, war noch 1523 Teilnehmer an
einer Bergbeschau und verstarb 1524 - "aber berühmt" -
wie es in der Aufzeichnung heißt.
Nach dieser "Vorerkundung" kommen wir nun
auf die eigentliche interessante Geschichte des Hauses selbst und dessen
folgende Besitzer, wobei über die Besitzer mehr bekannt ist, als
über den, sicherlich schon in damaliger Zeit, ungewöhnlichen
und bedeutenden Bau.
Wie eben erwähnt, starb 1524 Jakob Ermann. In
der Nachfolge des Besitzes scheint in den Aufzeichnungen Kunz Fraunhauser
(Marktrichter um 1519) auf. Seine Witwe verkaufte das Haus 1530 an den
Hallamtsgegenschreiber Jakob Tollinger (+ 1562), der mit Helene von Stainach
verheiratet war. Von da an hieß der Besitz "Tollingerische
Behausung". In einer anderen Aufzeichnung heißt es aber, Jakob
Ermann habe, da keine anderen direkten Erben vorhanden waren, den Besitz
seinem Vetter Jakob Tollinger als nächten Verwandten vermacht.
In den nächsten Zeilen will ich lediglich
die aus alten Aufzeichnungen von Franz Hollwöger zitierten Beschreibungen
des Baues wiedergeben:
"Es heißt, das Haus der Ermann unterschied
sich äußerlich wenig von den anderen; es stand mehr abgesondert,
aber es war zu verwundern, was man innen zu sehen bekam. Wie ein Ritter
von Kopf bis zu den Füßen, so war es vom Boden bis zu höchst
unter dem Dach allenthalben wehrhaft ausgestattet; mit so vielen Stidlen
(?), Gangen, Schußlucken und durchaus mit Eisentüren und seitlichen
Ausgängen versehen und zur Gegenwehr mit Armbrust und einer großen
Anzahl Pfeilen und anderen Waffen reichlich versorgt. Der dazugehörige
Garten und Hof, mit hohen Mauern umgeben, war ein Burgschutz, von dessen
Brustwehr man den Feind mit Pfeilgeschoßen fernhält. Die unteren
Räume waren teilweise mit Fallgattern versehen und eiserne Ringe
in den Wänden lassen vermuten, daß Gefangene dort ihres Schicksals
harrten."
 |
| Ein auffallend wehrhafter Bau |
Vielleicht diente er als Schutzhaus zur Zeit der Einfälle
in das Ennstal durch die Baiern und Salzburger Scharen, und später
gegen Aufständische aus der Bürger- oder Pfannschaft oder der
benachbarten Bauernschaften?"
Für mich liegt aber eine gewisse Unlogik in der
Beschreibung der "alten Funktion" des großen Hauses. Gehen
wir tatsächlich einmal vom Bestehen des Baues vor der Zeit um 1400
aus: abgesehen von dem Blick auf die nahe, tiefer gelegene Traun in ein
paar Meter Entfernung - fast ringsum nur ansteigende Höhen. Das bedingt
wahrlich keinen Standort für eine "wehrhafte Anlage", ob
mit oder ohne Mauern, ob mit oder ohne schießschartenähnlichen
Öffnungen -oder wenn das Gebäude samt Hof und Garten, auf fast
allen Seiten, von oben her, so verletzlich da liegt. Es ist wohl kaum
anzunehmen, daß sich geologische Bedingungen, die seitlichen Hanglagen,
erst in den letzten fünf Jahrhunderten gebildet haben.
Geheimnisvolle Geschichten und Sagen
zurück zum Seitenanfang
Das Haus birgt auch etwas Geheimnisvolles: Wohl im
Zusammenhang mit jeder wehrhaften Anlage ranken sich Geschichten und Sagen
um vermeintliche unterirdische Gänge. So auch bei der "Blauen
Traube". Eine Version - und dies scheint mir in der Tat eine glaubhafte
im Zusammenhang mit der Bedeutung des Hauses zu sein - ist jene, die besagt,
es habe einen solchen Gang zwischen dem Haus und dem etwas höhergelegenen
sogenannten Tauscherin-Stadl gegeben. Weniger wahrscheinlich ist die ebenfalls
überlieferte Variante, es habe eine unterirdische Verbindung von
der "Blauen Traube" gar bis Gschlößl (zum Schlömmer)
gegeben (ca. drei Kilometer ebenfalls ansteigend in etwa parallel zur
alten Salzstraße). Der frühere Ausseer Schulrat Otto Körber
(* 18.11.1886, + 27.2.1945), der auch intensiv die alten "Salzofen-Höhlen"
im Toten Gebirge mit vielen prähistorischen Funden erforscht hat,
soll jedoch jenen unterirdischen Gang Richtung Gschlößl sehr
weit selbst begangen haben, bevor er aus Sicherheitsgründen zugeschüttet
worden sein soll.
Was nun das "Gschlößl" (im heutigen
Ortsteil Straßen - Anger) anbelangt, so soll es sich aber doch um
ein Haus gehandelt haben, welches schon oft geschichtliches Interesse
geweckt hat. "Auf den ersten Blick erkennt man", meint auch
Franz Hollwöger, "daß es kein landesübliches Bauernhaus
ist. Es wurde schon vor Jahrhunderten als Gschlößl bezeichnet.
Es ist sogar möglich, daß es früher einmal Sitz eines verarmten
oder "verbauerten" Ritters war."
|
|
Im Inneren des Hauses sind noch heute alte mächtige Türstöcke
zu sehen. |
Der Nachbar ein "Aufrührer"
zurück zum Seitenanfang
In den Ausführungen von Johanna Gräfin zu
Eltz ist, was die nachfolgenden Besitzer der "Blauen Traube"
betrifft, mehr zu erfahren: Indirekt, so scheint es in den alten Schriften,
hatte auch der "Widerstand gegen die Türkengefahr" (1569)
vielleicht eine Rolle gespielt - aber auch schon die Zeit 30 Jahre zuvor.
Überliefert ist nämlich, daß genau gegenüber dem
Ermannschen Freistift der Leinweber Sturl (vulgo Stirl) gewohnt - und
"rebellische Gedanken" (während der Unruhen 1525 unter
Erzherzog Ferdinand) gehabt hat. Er versammelte "Aufrührer"
in seiner Behausung, doch der Aufstand wurde "niedergedrückt
und gestillt". Stirl und vierzig andere flohen. Nach den damaligen
Strafbestimmungen mußte die Behausung des Aufrührers durch
Brand vernichtet werden (bzw. bei Feuergefahr für Nachbarhäuser
abgebrochen und an anderer Stelle verbrannt werden).
Im Falle des Leinenweberhauses ist klar, daß
es an Ort und Stelle den Flammen zum Opfer fiel; eine alte Aufzeichnung
besagt nämlich, daß der Sohn Jakob Tollingers, Balthasar (wir
kommen noch näher auf ihn), als Knabe den schaurigen Brand mitbeobachtet
hat. Weiter ist bekannt, daß 300 tschechische Kriegsknechte aufgeboten
waren, um die flüchtigen Rädelsführer wieder zu fassen
und um die Brandschatzgelder in Aussee und im Ennstal einzutreiben.
Da es verboten war, an der Stelle der leeren Hofstatt
(nach Niederbrennung der Behausung eines Aufrührers) wieder zu bauen
oder sie einzufrieden, wollte damals niemand den Platz haben. Erst Jakob
Tollinger erwarb den Grund gegenüber der "Blauen Traube"
um "vier Pfund Pfennige" und durfte ihn ebenfalls erst nach
etlichen Jahren mit "Planken" versehen.
Und Gräfin zu Eltz berichtet weiter: "Erst
als im Jahre 1537 der "Zug für Essegh furgefallen", die
Bürgerschaft von Aussee zur Schenkung von Roß, Landsknecht,
Wagen und Steuern herangezogen wurde, verkaufte Jakob Tollinger Grundstücke,
um den Bürgern zu Hilfe zu kommen."
"Türkensteuer"
zurück zum Seitenanfang
Und dann die regelrechten Besitzverhältnisse:
Von seinem Vater Jakob Tollinger übernahm 1558 Balthasar Tollinger
den Ermannschen Besitz. Balthasar war ebenfalls "Gegenschreiber"
und verheiratet mit Ursula, einer Tochter von Christoph Praunfalk. Er
mußte dann 1569 für sich, seine Frau, die Kinder und für
das Gesinde Kontribution (oder Türkenhilfe) bezahlen. "Türkenhilfe"
heißt in diesem Zusammenhang natürlich nicht, diesen womöglich
Hilfe zu gewähren, sondern das Gegenteil - sie abzuwehren!
|
Kunstvolle alte Beschläge zieren noch heute
Türstöcke im Haus der "Blauen Traube"
|
|
Zu Bruck an der Mur mußte jeder der Bauernschaft
"sein Vermögen beschreiben und den vierten Teil zum Türkenwiderstand"
abliefern. So wurde auch die Ermannsche Behausung veranschlagt: "Balthasar
Tollinger hatte von dieser (Behausung) und deren Zugehörigen alle
Aufschläge und Bürden wie andere Edelleute dieses Landes Steyr
von ihren Schlössern und Häusern zu bewilligen, zu reichen und
zu leisten gehabt."
Der Einfluß der Reformation
zurück zum Seitenanfang
Jener Balthasar Tollinger war aber nicht nur davon
betroffen - für ihn persönlich kam es im Jahre 1600 noch viel
schlimmer. Er war noch immer Besitzer der "Blauen Traube" (Hs.Nr.
165 in Bad Aussee). Er war aber mittlerweile durch die Reformation Anhänger
des Lutherischen Glaubens, des Protestantismus, geworden. So bekam er
rund ein Jahr nach der Gegenreformation (1599) die "Revision bzw.
Superreformation", wie sie auch Hollwöger beschreibt, durch
den persönlichen Einsatz von Fürstbischof Martin Brenner deutlich
zu spüren. Eine Kommission zur offenbar vorgehabten zwangsweisen
Revision der vom katholischen Glauben Abgekehrten, kam erst gar nicht
nach Aussee. Mitterndorfer und Ausseer ("Abtrünnige") wurden
für den 7. Juli 1600 nach Irdning vorgeladen. Von diesem Termin weiß
man heute durch alte Aufzeichnungen, daß "die lange Predigt
des Bischofs und der väterliche Zuspruch der Kommission bewirkten,
daß kein einziger bei der ´Ketzerei´ blieb, sondern
alle katholisch zu kommunizieren versprachen."
Zur gleichen Zeit jedoch hatte der neue katholische
Pfarrer Esaias Haupt (Capito) zu Aussee (er hatte sein Ernennungsschreiben
erst am 18. April 1600 vom Administrator des Domstiftes zu Passau, Christof
Pötting von Persing, erhalten) am 8. Juli den Befehl bekommen, "alle
widerspenstigen Pfarrkinder zu examinieren, ob sie innerhalb von drei
Wochen beichten und kommunizieren wollen. Die dies nicht wollen, müssen
dem Pfleger von Wolkenstein angezeigt werden, der sie aus den Erbländern
auszuschaffen hat".
Die Ausweisung der "vornehmsten Protestanten Tollinger,
Neumayr, Schöffmüller und Dürnbacher" aber machte
bedeutende Schwierigkeiten. Wie die alten Schriften belegen, hatte Tollinger
sogar schon im Jänner 1600 ausgewiesen werden sollen, "weil
er allerlei stürmische Auftritte anrichtet, die Predigten im Hause
("Blaue Traube") selber hält, die Katholiken beschimpft,
die Ausgewiesenen zurückhält und gar den ausgewiesenen Schulmeister
(?) beherbergt."
Nach dem dritten Ausweisungsbefehl am 11. Juli 1600
bat Tollinger den Erzherzog, ihm (Tollinger) als 80jährigen Diener
des Hauses Österreich (seit 1552), der zudem krank ist, eine Aufenthaltsbewilligung
zu verschaffen, damit er wie andere Edelleute die Freiheiten des Landes
genießen könne. Die Antwort des Erzherzogs war aber ablehnend:
"Als Edelmann werde er nicht anerkannt - und ein Grund zur Lamentation
sei nicht gegeben."
Schon dreimal war bis dahin die Ausweisungsfrist erfolglos
abgelaufen. Daran erinnerte am 6. Oktober 1600 der Erzherzog den Verweser
Geroltshofer; neue Frist: "binnen acht Tagen!"
Tollinger widersetzte sich neuerlich am 16. Oktober
1600 mit einem Schreiben "an die Verordneten", die ihrerseits
den Erzherzog nochmals darauf hinwiesen, daß Tollinger Edelmann
(Landmann) sei und vom Ausweisungsbefehl nicht betroffen werden könne.
So wehrte sich Tollinger weiter und wich nicht. Am
23. November 1603 starb er in Aussee. Sein Grabstein befindet sich links
von dem seines Schwiegervaters Christoph Praunfalk bei der Pfarrkirche
St. Paul.
In der Folge viele Besitzerwechsel
zurück zum Seitenanfang
Von seinen Töchtern war Kunigunde (+ 1583) mit
Leopold Gruber verheiratet (auf ihn verwies ein Wappenstein von 1572 am
"Fasching-Haus" in der Parkgasse). Die anderen Töchter
Ursula und Regina verkauften dann das Vaterhaus 1627 an den Bäcker
Matthäus Hueber im Podenhaus. Jener Hueber (er war sechsmal Marktrichter)
hatte aus zwei Ehen 13 Kinder; Erbe war der Sohn Hans-Bartholomäus
(+1664). Dessen Witwe verehelichte sich 1677 mit dem Amtsschreiber Johann
Georg Frosch. Nach dem Tod der Frau (1693) erbte die Tochter Rosalia Hueber
den Besitz, die aber schon ein Jahr später starb. Die Geschwister
von Rosalia entschlossen sich daraufhin, den Besitz an den Bäcker
Hans Hammerl (1665 - 1746) zu verkaufen. Hammerl war verheiratet mit Judith
Kolb (sie stammte aus dem Haus Aussee Nr. 62). In der Folge hieß
das Haus "beim Hammerl-Bäck".
Einen neuerlichen Besitzerwechsel gab es dann 1746,
nachdem die einzige überlebende Tochter Hammerls, Maria Theresia
(1702 - 1764), welche die zweite Frau des Brauers Sebastian Ettenauer
gewesen war, das Haus ihrem Sohn Christian (Hammerl) übergeben hatte.
Aus unbekannten persönlichen oder wirtschaftlichen
Gründen schien das aber nicht das Richtige gewesen zu sein, denn
13 Jahre später, im Jahre 1759, ließ die Witwe Ettenauer den
Besitz auf ihren sechsten Sohn, Anton (1738 - 1808), eines von 13 Kindern
übertragen.
Anton seinerseits hatte mit seiner Frau, der Bauerstochter Katharina Schörkmayr
aus Mitterndorf (sie stammte aus dem "Gasthof Post"), ebenfalls
13 Kinder. 1786 allerdings geriet er in Konkurs und der Besitz wurde um
3000 fl (Gulden) an den Müllersohn Franz Steinmüllner (1731
- 1790) aus Klachau versteigert.
Die "Walcher"
zurück zum Seitenanfang
Die Witwe Franz Steinmüllners, Maria, (sie stammte
aus Goisern), heiratete 1790 den Postmeistersohn Michael Walcher (1757
- 1841), der aus Altenmarkt a. d. Enns stammte. "Und so kamen die
Walcher auf das Haus", schreibt Franz Hollwöger in seiner "Häusergeschichte
von Aussee" (Februar 1957).
Mit seiner zweiten Frau, Elisabeth Plochberger, Wirtstochter
aus Kotting bei St. Pölten, hatte Michael Walcher fünf Kinder,
von denen das jüngste, der Sohn Gabriel (1813 - 1879) sein "Nachfolger"
wurde. Auch Gabriel war zweimal verheiratet; in erster Ehe mit der Leitenmüller-Tochter
Josefa Stüger (mit der vier Kinder hatte), und in zweiter Ehe
mit der Wirtstochter Maria Hackl aus St. Georgen bei Rottenmann (sieben
Kinder).
Gabriel Walcher war es, der dem Haus Nr. 165 den Namen
"Blaue Traube" gab. Er war es auch, der "Altertümer"
sammelte, und so zuerst in den Besitz der beiden sogenannten "Römersteine"
gekommen war.
Das Haus und der Besitz der früheren Tollinger
hinter der Spitalkirche, das "Taschnerfeld" und ein "Krautgarten",
waren aber laut offensichtlich ungenauer Wiedergabe von Johanna Gräfin
zu Eltz schon früher an Tollingers Tochter und deren Erben übergegangen.
Die Tollinger wurden später als "verunglückte Edelleute"
bezeichnet. Wie Gräfin zu Eltz alten Aufzeichnungen richtig zu entnehmen
glaubte, sind "ihre Nachkommen im Türkenkrieg zugrunde gegangen".
Ein "Emigranten-Korps" schädigte
auch Ausseer
zurück zum Seitenanfang
In der recht unruhigen und unsicheren "Franzosenzeit"
war der Bäcker Michael Walcher Besitzer des Hauses Nr. 165 ("Blaue
Traube"). Im Frühjahr 1797 war es, als die Franzosen von Kärnten
her in die Steiermark (bis Graz) einbrachen. Damals schrieb ein Ausseer
Chronist: "Weinen und Heulen, Zittern und Zagen, so daß man
sich gleich gern in die Erde graben lassen möchte. Lieber sterben
als den Franzosenfeind kommen sehen!"
Obwohl noch 1797 in Leoben Frieden geschlossen worden
war, kam es zwei Jahre später für das Ausseerland schlimm. Nicht
etwa, daß Franzosen als Feinde kamen, nein, das "Emigrantenkorps"
des Prinzen von Condé Ludwig Josef von Bourbon, in englischem Sold
stehend, russische Uniformen tragend, gar unter österreichischem
Oberbefehl, suchte auf dem Rückmarsch aus Oberitalien nach Salzburg
das Ausseerland heim.
So war z. B. die 5. Kompanie des "Regiments Condé"
am 11. Juni 1800 in Altaussee einquartiert. Wegen ihrer "hohen Ansprüche,
ihres hochfahrenden Auftretens und geringer Manneszucht" waren die
sogenannten Condéer schon übel beleumundet. Eine Nachricht
nach Admont beinhaltete: "Wir haben nun die Condéer wieder
auf dem Hals, die hier Kaldeer genannt werden. Wir haben Tag und Nacht
keine Ruhe . . . Gott gebe es, daß wir diese Schmaushelden bald
los werden, sonst zehren sie uns auf...!"
Bäcker Michael Walcher in der "Blauen
Traube" war einer der vielen betroffenen Handel- und Gewerbetreibenden.
In einem Schriftstück vom 28. Februar 1801 wird dies deutlicher:
"Ausweis über den von dem Prinz Condé-Corps beim Rückzug
im landeslfürstlichen Markt Aussee gemachten Schaden - Schulden und
Diebstähle."
Da waren der Fleischhacker Lorenz Stremberger und der
Lebzelter August Kliemstein ebenso geschädigt wie eben Bäcker
Walcher, der die Verpflegung für 24 Mann und einen Klafter Holz offensichtlich
"in den Kamin" schreiben mußte.
Auch Erzherzog Johann war hier
zurück zum Seitenanfang
Michael Walcher hatte offenbar die Bäckerei an
seinen Sohn Gabriel übergeben. In einem Salinenplan aus dem Jahr
1835 taucht nämlich Gabriel Walcher (+ 5. Juli 1879) als Besitzer
des Hauses Nr. 165 auf, auch in einer Auflistung der Verkaufsläden
bei der Spitalskirche von West nach Ost (von rechts der Spitalkirche bis
in die heutige Kirchengasse). "Konkurrenz" hatte Gabriel Walcher
damals reichlich: Gab es doch auch ganz in seiner näheren Umgebung
die Bäcker Josef Peer, Franz Wiesinger (heute Klackl) und Engelbert
Winkler. Die Bäckerei Walcher in der "Blauen Traube" bestand
auf alle Fälle noch bis 1913 (Pächter Johann Steinecker).
Ein großes Ereignis für die Familie Walcher
und ihr Haus war wohl das Jahr 1843, als der "Steirische Prinz",
Erzherzog Johann, 50 Personen zu einer "Tafel" anläßlich
der Goldenen Hochzeit seines Freundes Paul Adler (aus Mühlreith 11)
in der "Blauen Traube" lud und auch selbst erschien.
Gabriel Walcher war im Markt ein angesehener Mann, bekannt als Förderer
der Bürgermusikkapelle. Auch die beiden Söhne Prof. Ferdinand
Walcher und Hofrat Franz Walcher waren sehr geachtete Bürger, ebenso
wie der Sohn Johann (1833 - 1899) aus erster Ehe, der 1866 Mitbegründer
der Sparkasse Aussee war, sich aber auch als Musiker und Komponist einen
guten Namen gemacht hatte; er übernahm das Haus im Jahr 1880.
In der "Neuzeit" ein beliebter Gasthof
zurück zum Seitenanfang
|
Das alte Zunftzeichen der
"Blauen Traube"
|
|
Vieles aus sehr weit zurückliegenden Jahren ist
datumsmäßig genau überliefert. Aber gerade in der jüngeren
Geschichte dieses hochinterssanten Hauses scheinen sich die Spuren der
Besitzer etwas zu verwischen, eben um jene Zeit von 1880. Schreibt nämlich
Maria von Plazer in ihrem 1907 im Grazer Verlag Moser (J. Meyerhoff) erschienenen
Buch "Historische Wanderungen" auf Seite 74 folgendes:
" .... und schließlich erwarb 1880 Therese
Hertl das Haus für sich und ihre Kinder ....", so erklärt
die Direktion des Steiermärkischen Landesarchives auf eine Anfrage
von mir, " .... daß eine Therese Hertl um 1880 nicht im Besitz
des Hauses Aussee 165 aufscheint."
Die Anfrage hatte sich nämlich aus einem deutlichen
Widerspruch aus Plazers Erwähnung und Ausführungen von Franz
Hollwöger ("Ausseer Land", Ausg. 1956, S. 265) ergeben.
Hollwöger weiß nämlich von datierten Gästebuch-Eintragungen
in der "Blauen Traube", wobei auch Peter Rosegger (Hollwöger.:
" .... der in seinen Werken wiederholt und freudig vom Ausseerland
spricht", z. B. "Rings um den Dachstein") am 24. Juni 1881
Schriftliches hinterlassen hat:
"Dem herrlichen Aussee
und seinen wackeren Bewohnern
aus ganzem Herzen mein Glückauf!" -
Und gar noch am 22. Juli 1887, als er mit seinem Sohn
Josef wieder hier war, schrieb er ins gleiche Gästebuch:
"Das Haupt ohne Scheu,
Das Herz ohne Reu,
In Freud und Leid
Dem Volke treu! -
Seinem verehrten Freund
Herrn Johann Walcher"
Also doch noch ein Walcher Besitzer der "Blauen
Traube"? Die Nennung von 1880 im Zusammenhang mit Therese Hertl (1840
- 1901) als Besitzerin ist sehr wahrscheinlich ein Druckfehler - sollte,
wie heute bekannt ist, 1888 heißen.
Deutlicher belegbar wird aber spätestens dann
1892, daß die "Blaue Traube" doch erst 1888 in den Besitz
von Therese Hertl übergegangen ist. In Privatbesitz befindet sich
nämlich ein Zeugnis, in dem Therese Hertl als "Besitzerin des
Gasthofes Blaue Traube" am 2. Mai 1893 einer Maria Steinegger "Fleiß
und sittsames Betragen zu meiner vollen Zufriedenheit" als Bedienstete
vom 12. November 1892 bis 2. Mai 1893 bestätigt.
Richtig ist, was die Besitzfolge anbelangt - so wie
M. v. Plazer hinsichtlich des Kaufes durch Therese Hertl "für
sich und ihre Kinder ...." geschrieben hat - daß dann 1907
Karl Hertl der Gasthofbesitzer ist. Nachdem dessen Mutter das Haus gekauft
hatte, war Johann Walcher in das "Lederer-Haus" - "Pumpern"
(Villa Emilie) - übersiedelt. Die "Hertl-Kinder" führten
das Geschäft bis 1913 weiter, nur die Bäckerei hatten sie an
den bereits erwähnten Johann Steinecker verpachtet.
"Peterstüberl" - Keimzelle der SPÖ ?
zurück zum Seitenanfang
Aber da gibt es noch eine andere Geschichte -
sogar von historischer Bedeutung - um die Jahrhundertwende.
|
|
Eine Gedenktafel an Karl Renner befindet sich außen
an der "Blauen Traube" |
Leider nur aus Erzählungen von Großvätern
oder gar Urgroßvätern wissen nur noch wenige Ausseer, daß
hier - nämlich in der "Blauen Traube" - durch den späteren
Bundeskanzler und Bundespräsidenten Karl Renner (1870 - 1952) der
Grundstein der heutigen Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ)
gelegt worden war. Lediglich eine kleine Gedenktafel neben dem Eingang
kündet von Besuchen Karl Renners in dem altehrwürdigen Gasthof,
wo man sicherlich im Nebenstüberl im kleineren oder größeren
Kreis gut Pläne schmieden konnte.
Von sich selbst aus gewollt hatte Renner dies aber
offensichtlich gar nicht so sehr. In seinen Erinnerungen in dem Buch "An
der Wende zweier Zeiten" erwähnt er nämlich, daß
er im Sommer des Jahres 1895 "durch den Broterwerb, durch die Vortragstätigkeit,
durch die politische Organisationsarbeit und durch das nebenherlaufende
Studium ziemlich erschöpft" gewesen sei.
Deshalb fühlte er sich nicht vorbereitet genug,
um mit den Prüfungen (nach Besuch der Vorlesungen an der Universität
und der Erteilung des Absolutoriums) zu beginnen. Durch Professor Singer
war Renner in die Großindustriellenfamilie Hellmann empfohlen worden
und übernahm bei ihr den Posten eines Korrepetitors, zunächst
nur für den Sommer in Grundlsee. Er hatte deren Sohn Otto drei Stunden
vormittags zu beschäftigen - im übrigen aber nicht in ihrem
Hause zu wohnen. Dafür erhielt Renner dennoch laut seiner eigenen
Aufzeichnung "ein ausreichendes Honorar", um im Markt Aussee
eine bescheidene Wohnung "für mich, meine Frau und mein Töchterchen"
zu mieten.
Dann findet sich aber eine wesentliche Passage in seinen Erinnerungen,
die ich zum besseren Verständnis in gewisser Ausführlichkeit
wiedergeben will:
"Endlich waren wir zu dritt beisammen und sollten
es von nun ab bleiben! Dabei gedachte ich, in dieser vornehmen Sommerfrische
aller Gesellschaft und Politik entrückt zu bleiben und mich ganz
dem Studium zu widmen. Aber was sind Vorsätze!
|
|
Eine einfache, eiserne Deckenlampe
hängt noch heute im "Peterstüberl" der "Blauen
Traube"; eine geschnitzte Holzfigur des hl. Petrus steht im Zentrum
dieser Lampe. Es ist das "Peterstüberl", das um die
Jahrhundertwende gern von Karl Renner, dem späteren Bundeskanzler
und Bundespräsidenten besucht wurde, wo er viele Diskussionen
mit Gleichgesinnten führte, und wo er sicherlich auch den Grundstein
für die heutige SPÖ legte. |
Es währte keine Woche und meine Frau und ich waren
mit den Handwerksgesellen des Ortes und mit einigen Salinenarbeitern gut
bekannt, sie luden mich an einem Abend in ihr Stammlokal, das sie in einem
abseitigen Zimmer des Hotels "Zur Blauen Traube" (= Peter-Stüberl,
Anm. d. Verf.) aufgeschlagen hatten, und dort begann das alte Frage- und
Antwortspiel. Zwei Abende wöchentlich saßen wir bis tief in
die Nacht beisammen, wieder wurden unser von Abend zu Abend mehr, alt
und jung hingen mit wahrer Inbrunst an den Lippen dieses jugendlichen
Lehrers, den ihnen da ein Zufall hereingeschneit hatte, in den Ort, in
den nun endlich jemand von außen gekommen ist, um ihnen zu erzählen,
was in der Welt vorgeht und vor allem, worum in Wien auf den Straßen
gekämpft wird und Blut fließt."
Die geradezu rührende Anhänglichkeit an Karl
Renner und seine kleine Familie zeigte sich am Abschiedsabend. Die Freunde
hatten unbemerkt etwas Geld gesammelt, um eine silberne Uhrkette mit einem
Schiffchen als Anhänger zu kaufen, mit der Inschrift "Aussee
1895". DiesesGeschenk überreichten sie ihm zum Abschied - ein
junger Tischlergehilfe namens August Lindner war ihr Sprecher. (Lindner
wurde später SP-Landesparteisekretär der Steiermark und steirischer
Landtagsabgeordneter).
Karl Renner später über diese
Zeit:
zurück zum Seitenanfang
"Nach dem Sieg der Demokratie fand ich sie,
als ich aus Anlaß meiner Präsidentschaftskandidatur Versammlungen
im Salzkammergut hielt, als erste Vertrauensmänner, zum Teil als
Bürgermeister ihres Ortes wieder. Diese innigvertrauten Aussprachen
in diesem Kreise, die "Idylle in der Blauen Traube", gehört
mit zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens: Selten hatte ich
sonst die Freude, in so jungfräuliche, treue Seelen den reinen Glauben
an eine schönere Zukunft des Menschengeschlechtes zu pflanzen."
Es war in der Tat manches noch idyllischer als heute,
doch so uneingeschränkt "die gute alte Zeit", als die wir
sie oft betrachten, war sie wohl auch nicht. Jedenfalls, was die "Blaue
Traube" anbelangt, waren die Jahre bis 1913 jene Zeit, in der Therese
Hertls Sohn Karl die Geschicke des Gasthofes leitete. Wie er dies letztendlich
tat, läßt sich nicht sagen, doch steht fest, daß im Jahre
1907 als neuer Besitzer erstmals eine Brauerei (die Grazer Reininghaus),
die heutige "Steirer Brau AG", aufscheint. Das Haus hatte in
der Folge eine Reihe von Pächtern gesehen, doch sind leider auch
im Archiv der Grazer Brauerei nicht mehr alle Namen nachvollziehbar. Einer
aus der Anfangszeit ist verbürgt, nämlicher jener von Adolf
Hüttmaier, der, wie bereits am Beginn erwähnt, den "Römerstein"
an einen Burgenländer Weinhändler verkauft hatte.
Erhalten geblieben ist eine Holz-Wandtafel mit
dem Porträt des pfeiferauchenden Alois Hüttmaier, der um 1920
Pächter der "Blauen Traube" war, der es aber "auf
dem Gewissen" hatte, daß der "Römerstein" für
rund vier Jahrzehnte ins Burgenland gekommen war. Geschnitzt hat diese
Holztafel der Ausseer Bildhauer Alois Feichtinger.
|
|
In den vierziger und fünfziger
Jahren war im zweiten Stock der "Blauen Traube" auch das
von Hans Gielge gegründete "Heimatwerk" untergebracht,
ein Vorläufer des späteren Heimatmuseums bzw. des Kammerhof-Museums.
Die schwere Holzdecke gibt es dort oben, wo sich heute Gästezimmer
befinden, leider nicht mehr; im ersten Stock ist sie noch erhalten.
- Das Aquarell, das die frühere Situation des "Heimatmuseums"
zeigt, entstand 1942, vermutlich von demselben Maler, der auch die
obige Außenansicht des mächtigen Baues als Aquarell festgehalten
hat |
|
Heute befindet sich in dem historischen Bau das
gepflegte, mit viel Holz ausgestattete, Restaurant der "Blauen
Traube". Schon in viel früherer Zeit ist hier immer gerne
auch die "Prominenz" eingekehrt; daran hat sich nichts
geändert.
|


|
Aufwendige Renovierung erhielt den Prachtbau
zurück zum Seitenanfang
Erst ab dem Jahr 1939 gibt es wieder genauere Aufzeichnungen,
die besagen, daß die bekannte und beliebte Ida Stüger Pächterin
vom 1. Juni 1939 bis zum 30. September 1964 (!) - immerhin stolze 25 Jahre
- war. Ihr folgten dann als "Wirtsleute" Gerlinde und Karl Jansenberger
(vom 1. 10. 64 bis 1. 8. 66). Die letzten Pächter, Elfriede und Alois
Angerer, waren von August 1966 bis Dezember 1979 tätig.
|
|
Das ansteigende Gelände hinter dem Gebäude
der "Blauen Traube" diente Mitte der Fünfzigerjahre
auch als idealer Austragungsort für ein "Verbandsschießen"
der Stahelschützen. Allerdings kam es damals zu Unstimmigkeiten
bei der Auswertung und so war für eine Gruppe Ausseer Schützen
der Anlaß gegeben, einen zweiten Schützenverein zu gründen:
Im Foto v.l.n.r.: Zieler Hans Khalß (vlg. Lammersberger Hans),
Franz Hillbrand (vlg. Gustn Franzl) und Alois Ainhirn (vlg. Stoffn
Lois).
|
Im Jänner 1980 war es dann, daß sich die
Brauerei als Besitzer von der "Blauen Traube" trennte und das
Objekt nach eingehenden Verhandlungen an Maria und Helmut Ruppe verkaufte,
die im Laufe der Jahre mit vielen Investitionen das Gebäude im neuen
"alten Glanz" erstrahlen ließen.
Heute ist die "Blaue Traube" als schmuckes und eines der ältesten
Ausseer Gebäude schon regelrecht zu einem Besichtigungspunkt für
Besucher des Ortes geworden - und zum beliebten Foto-Objekt. Der Dreisterne-Gasthof,
zu dem ein gemütlicher Gastgarten gehört, bietet 14 modern ausgebaute
Gästezimmer (mit 25 Betten, Dusche, Bad/WC, TV und Telefon). Im gemütlichen
Restaurantbereich, ausgestattet mit viel Holz, ebenso wie die Nebenzimmer
für kleinere "geschlossene Feiern", wird der Gast von der
familiären Atmosphäre beeindruckt sein und viele Spezialitäten
der Internationalen sowie der heimischen Küche genießen. Nicht
umsonst trägt der Gasthof heute die Auszeichnung "Gute Steirische
Gaststätte", in der auch das Angebot an exzellenten Weinen und
ausgezeichneten Bieren der "Steirer Brau" nicht zu kurz kommen.
Viele Besucher - und nicht nur kunsthistorisch
Interessierte - schätzen die "Blaue Traube" als Refugium
für einen erholsamen Aufenthalt in Bad Aussee oder auch als Ausgangspunkt
für Entdeckungsausflüge ins malerische Ausseerland, die eben
auch oft in die interessante geschichtliche Vergangenheit führen
können.
zurück zum Seitenanfang
*
|